"Bloom Energy Server" - Strom aus dem Zellbündel
Unabhängig, kostengünstig und klimafreundlich – mit diesen Schlagworten bewirbt eine kalifornische Firma ihre Brennstoffzellen-Kleinkraftwerke
So geht PR: Neben „Gouvernator“ Arnold Schwarzenegger kam Ende Februar auch der ehemalige US-Außenminister Colin Powell zur großen Pressekonferenz von Bloom Energy. Darüber hinaus konnte der Hersteller von Kleinkraftwerken gleich zehn Unternehmen mit klangvollen Namen, von Google über eBay bis hin zu Coca-Cola, als zufriedene und weitsichtige Kunden präsentieren. Kein Wunder, dass sich vor allem die US-amerikanischen Medien vor Begeisterung überschlugen.
Grund der Aufregung ist ein Kleinkraftwerk, das eine elektrische Leistung von 100 Kilowatt liefert und dabei vergleichsweise wenig oder sogar kein zusätzliches Kohlendioxid produzieren soll. Was als mittelschwere Revolution verkauft wird, ist bei näherer Betrachtung aber keine. Jeder der PKW-großen und zehn Tonnen schweren „Bloom Energy Server“ ist letztlich ein Bündel aus mehreren Hundert Festoxid-Brennstoffzellen. Brennstoffzellen dieses Typs werden seit vielen Jahren entwickelt und mit vielversprechenden Resultaten als effiziente und leise Stromerzeuger getestet. Neben Wasserstoff können sie eine Reihe anderer Gase „verbrennen“ – Bloom Energy nennt etwa Erdgas oder Biogas. Im letzteren Fall wird unter dem Strich tatsächlich nur wenig CO2 freigesetzt, was allerdings auch für jedes andere Kraftwerk gilt, das mit Biogas arbeitet. Geringe Leitungsverluste und ein gewisses Maß an Autarkie sind als Vorzüge einer dezentralen Stromerzeugung ebenfalls hinreichend bekannt.
Nicht einmal der von Bloom Energy angegebene Wirkungsgrad von über 50 Prozent ist eine Besonderheit, so die Einschätzung von Robert Steinberger-Wilckens vom Forschungszentrum Jülich, wo man schon lange an der Entwicklung von Brennstoffzellen arbeitet. Eher bemerkenswert sei, „dass Bloom es bis zu einem außergewöhnlich großen und anscheinend marktnahen Produkt gebracht hat“. Mit der Gesamtleistung von 100 Kilowatt sei die Firma anderen Entwicklergruppen um einige Jahre voraus. Zur Lebensdauer ihrer Brennstoffzellen, einem kritischen Faktor für den flächendeckenden Einsatz, mache sie allerdings keine Angaben. Die Schwelle liege hier bei 50.000 bis 80.000 Stunden Dauerbetrieb, so der Jülicher Physiker.
Zumindest einen anderen kritischen Faktor, nämlich die Kosten, will Bloom Energy in den Griff bekommen haben. Dem Unternehmen ist es nach eigenen Angaben gelungen, einen Teil der teuren Zell-Keramik durch ein günstigeres Material zu ersetzen, mit Einzelheiten hält man sich allerdings wohlweislich zurück. Ein „Bloom Energy Server“ mit 100 Kilowatt Leistung ist für rund 800.000 US-Dollar (derzeit etwa 650.000 Euro) zu haben und soll sich binnen fünf bis sechs Jahren durch eine niedrigere Stromrechnung amortisieren. Ob sich letztlich auch Bloom Energy rentieren wird und die rund 400 Millionen Dollar Investorenkapital nicht einfach verbrennt, bleibt abzuwarten. Bislang hat es kein Unternehmen geschafft, allein mit dem Bau von Brennstoffzellen-Kraftwerken in die Gewinnzone zu kommen. Ein Grund mehr, die Werbetrommel besonders kräftig zu rühren.
Text: Carsten Meinke