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http://www.sustainabilityninja.com/eco-news/theres-still-time-to-avoid-worst-of-global-warming-88808/
23.11.2010

Das „Global Warming Petition Project“

Eine Petition für mehr Kohlendioxid?

„Wir halten die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika dazu an, das Kyoto-Protokol und alle ähnlichen Abkommen abzulehnen. Die vorgeschlagenen Begrenzungen der Treibhausgase würden der Umwelt schaden, den Fortschritt in Wissenschaft und Technologie verhindern und die Gesundheit und den Wohlstand der Menschheit beschädigen.“


So der für die meisten Leser wahrscheinlich überraschende einleitende Passus zur Petition des Global Warming Petition Project, das seine erste Kampagne 1998/99 als Protest gegen das Kyoto-Protokoll organisiert und sein Anliegen in einer zweiten großen Kampagne 2007 neuerlich bekräftigt hat. Laut Selbstauskunft ist die Petition von „einer Gruppe von Physikern und Chemikern, die an verschiedenen amerikanischen Wissenschaftseinrichtungen Forschung betreiben“, initiiert und finanziert worden. Und tatsächlich weist bereits die Startseite der Website des Projekts einen überaus bekannten (und umstrittenen) Unterzeichner auf: Edward Teller, 1908 geborener und 2003 gestorbener weltberühmter Physiker und so genannter „Vater der Wasserstoffbombe“.  Zudem werden imposante Zahlen präsentiert: Mehr als 31000 amerikanische Wissenschaftler haben die Petition unterzeichnet, darunter „9029 mit Doktortitel“. Neben Teller stehen andere wissenschaftliche Zelebritäten (wenn auch - wie das seinerseits „klimawandelskeptische“ Europäische Institut für Klima und Energie vermeldete - „vier von sieben bereits verstorben sind“): Freeman Dyson, der Professor für Physik in Princeton war, Ivar Giaever, der 1973 den Nobelpreis für Physik erhielt, Robert Laughlin, Nobelpreisträger von 1998, Frederick Seitz, bekannter Physiker und President Emeritus der American Physical Society und einige andere.


Den Initiatoren des Projekts nun ist es neben dem Einfluss auf die amerikanische Umweltpolitik vor allem darum zu tun, einen ihrer Ansicht nach in der Folge des Protokolls von Kyoto und der politischen Bemühungen Al Gores sich zunehmend durchsetzenden allgemeinen „Konsens“ hinsichtlich des Klimawandels und seiner anthropogenen Ursachen zu hinterfragen, zu unterlaufen, zu konterkarieren. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Einsichten wohl gemerkt. Und so lassen sich die Unterzeichner denn auch vernehmen: „Die globale Erwärmung mag mit den CO2-Emissionen zu tun haben oder nicht - das Urteil ist noch nicht gefallen.“ So Teller. „Die Untersuchungsdaten zeigen keineswegs, dass die Nutzung von Kohlenwasserstoffen schädlich ist. Im Gegenteil gibt es deutliche Hinweise darauf, dass das ansteigende atmosphärische Kohlendioxid der Umwelt nützlich ist.“ So Frederick Seitz. Ivar Giaever kritisiert: „Die globale Erwärmung ist zur neuen Religion geworden.“ Und Laughlin gibt sich vollends defätistisch: „Die geologischen Aufzeichnungen legen nahe, dass wir das Klima nicht zu sehr berücksichtigen sollten, wenn wir in die Energiezukunft starren. Nicht weil es unwichtig wäre, sondern weil wir es ohnehin nicht kontrollieren können.“


Nun wird man tatsächlich fragen dürfen und müssen, ob man den Klimawandel geradezu als „neue Religion“ haben will, die dogmatisch sich gibt und kritische Fragen nicht zulässt. Oder als einen unreflektierten, wissenschaftlich invaliden „Konsens“, der - so die recht diffuse Ansicht der Unterzeichner der Petition - am Ende nur bestimmten politischen Interessen dient, bestimmte politische und wissenschaftliche Segmente bevorteilt. Nur bleibt einigermaßen unklar und unwahrscheinlich, ob es diesen verordneten, rigorosen, apodiktisch sich gebenden Konsens überhaupt gibt. Und wenn es ihn in bestimmten Bereichen des wissenschaftlichen wie öffentlichen Lebens geben sollte, ob es ihn nicht aus guten (wissenschaftlich guten, nämlich trifftigen, und hinsichtlich der Wirkungen auf die Umwelt schlechten) Gründen gibt. Und ob man geradezu das Gegenteil behaupten muss, wenn man eine bestimmte Position fragwürdig findet. Ob man also dem Klimawandel gegenüber nur skeptisch sein kann, indem man geradezu die umweltpolitischen Segnungen eines vermehrten Ausstoßes von Kohlendioxid proklamiert und propagiert - eine „wissenschaftliche“ Position, die sicher größere Schwierigkeiten hätte, ihre Validität zu beweisen, als die gegenteilige Auffassung, die von einem nachteiligen Effekt für die Ozonschicht und damit für das Klima ausgeht. Denn dafür immerhin gibt es ja zahlreiche und durchaus stichhaltige wissenschaftliche Daten und Hinweise.

Auch die Studie von Arthur B. Robinson et al., auf die sich die Petition vorrangig stützt und die durchaus eine Vielzahl von Studien heranzieht und auswertet, klingt am Ende bei aller beanspruchten "Objektivität" eher wie ein Werbeblatt für bestimmte (nämlich fossile und nukleare) Bereiche der Energiewirtschaft, wenn es im Schlussteil heißt: "Es gibt keine experimentellen Daten, die die Hypothese stützen, dass ein Anstieg der anthropogenen CO2-Emissionen oder der Emissionen anderer Treibhausgase nachteilige Auswirkungen auf die globale Erwärmung, das Wetter und die Natur hat. Es gibt keinen Grund, die CO2- und CO4-Produktion zu begrenzen. Wir brauchen uns zudem auch angesichts der Erderwärmung keinerlei Sorgen zu machen hinsichtlich von Umweltkatastrophen. (...) Die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen Staaten sollten mehr Energie, nicht weniger produzieren. Die praktischste, ökonomischste und umweltfreundlichste Art der Produktion sind Kohlenwasserstoff und Atomkraft."

Text: GAB

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